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3.-10.09.2017 - Emder Schüler in Israel - siehe in: Exkursionen 2017

Eine Reise nach Lodz Projekt mit BBS II Emden, www.emden-lodz.de

Stolpersteine auf der Homepage der Stadt Emden, www.emden.de                                 

Letzte Änderung
September 30. 2017 18:02:19
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Exkursionen 2017


Reise nach Israel vom 3. bis zum 10. September 2017

Treffen mit Gustl Moses-Nusbbaum in Kfar Sabar


Emder Schülergruppe in Jerusalem, Altstadtmauer nahe Jaffator


Eine Schülergruppe der BBS II Emden hat sich gemeinsam mit SchülerInnen des Max-Windmüller-Gymnasiums Emden am 3.9.2017 auf den Weg gemacht nach Israel. Nachdem im Mai dieses Jahres in Anwesenheit der Kultusministerin und des Oberbürgermeisters der Stadt Emden eine Partnerschaft mit der Erinnerungsstätte Yad Vashem in Jerusalem abgeschlossen wurde, stand ein Besuch in der Heiligen Stadt auf dem Programm. In Yad Vashem hat die Schülergruppe, die von den Lehrern Gero Conring (Vorstand der Max-Windmüller-Gesellschaft) und Kai Gembler (Mitglied der Max-Windmüller-Gesellschaft) begleitet wurde, neben dem Besuch im Museum einen Holocaust-Überlebenden getroffen. Nach der Besichtigung der Jerusalemer Altstadt (Klagemauer, Via Dolorosa, Grabeskirche etc.) wurde weiterhin das Tote Meer und das St. Georgskloster sowie Masada besucht.



Tal der Gemeinden in Yad Vashem, Jerusalem.


Die Teilnahme an der Gedenkfeier „70 Jahre Exodus“ in Haifa war ein weiterer Höhepunkt der Reise. Die Gruppe wurde von Zippy Portnoy und Izac Rozman empfangen. Im letzten Jahr waren die beiden Israelis in Emden, um teilzunehmen an der Installation der Gedenktafel an der Kaserne. Zehn Monate lang lebten 2342 jüdische Flüchtlinge in der Emder Kaserne, die mit dem Passagierschiff Exodus versucht hatten, 1947 nach Palästina zu gelangen. Die britische Armee hatte ihnen den Zugang nach Palästina verwehrt. Erst nach der Gründung des Staates Israel konnten alle Holocaust-Überlebenden nach Israel einwandern.



Izac Rozman mit seiner Enkeltochter - Gedenkveranstaltung "Exodus 1947 - 2017"


Nach der Veranstaltung sprachen die Schüler unter anderem mit Lina Friedmann, die östlich von Warschau geboren wurde. Sie hat positive Erinnerungen an die Zeit in der Emder Kaserne: "Als wir 1947 nach Emden kamen, hatten wir alle keine vernünftige Kleidung. Ich erinnere mich gerne daran, dass eine Emder Schneidermeisterin mir als 22jähriger junger Frau ein Kleid genäht hat, dass ich nicht zu bezahlen brauchte."



Lina Friedmann während der Gedenveranstaltung "Exodus 1947- 2017"


Am Ende der Woche besuchte die Gruppe gemeinsam mit Gesine Janssen (Vorstand der Max-Windmüller-Gesellschaft) die in Emden geborene Gustl Moses-Nussbaum. Eine Reihe von Interviews mit ehemaligen Emder Juden wurden vor einigen Jahren von Siggi Sommer und Gesine Janssen aufgenommen, unter anderem mit Gustl Moses-Nussbaum. Diese Interviews werden regelmäßig am 9. November in der Vhs Emden gezeigt. Für die Schüler war der Besuch in Kfar Sabar einer der vielen Höhenpunkte dieser Reise. Die Erzählungen über die Kindheit in Emden, das Überleben in Verstecken in den Niederlanden während der deutschen Besatzungszeit und der Neuanfang in Israel hinterließen bleibende Eindrücke.





Zum Abschluss der Reise hat die Gruppe Tel Aviv (Bauhaus-Viertel) und Jaffa besucht, bevor der Rückflug von Ben Gurion zurück nach Bremen führte.

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SchülerInnen der BBS II Emden berichten über den Besuch in Israel:

Elena Gadow

Eine Reise nach Israel wird für jeden eine Erkenntnis sein. Zu eindrucksvoll ist das, was einen dort erwartet. Der Aufenthalt in der Altstadt Jerusalems fühlt sich an wie eine Zeitreise. Die Mauern sind alt, jeder ist religiös, Menschen bekreuzigen sich an den einzelnen Stationen der Via Dolorosa, an denen Jesus beispielsweise mit seinem Kreuz zum ersten Mal zusammengebrochen sein soll.

Ich habe noch nie so viel Gastfreundschaft erlebt  wie in Israel. Wir wurden oft angesprochen und gefragt, woher wir kämen. Die Menschen hier verfügen über einen wunderbaren Humor, scheinen Rasse und Religion nicht unbedingt wichtig zu finden und wünschen jedem ein langes und glückliches Leben.

Ein Besuch in der Gedenkstätte Yad Vashem hat uns alle sehr emotional gestimmt. Das Gelände ist kreativ und liebevoll gestaltet; ein würdevoller Ort, um den sechs Millionen Opfern des Holocaust zu gedenken. Das Museum hat uns symbolisch durch den Holocaust geführt und wir haben das Schicksal einzelner Menschen kennengelernt. Sehr im Gedächtnis blieb mir die Geschichte einer Frau, die ihr Kind verloren hat.

Am Tag darauf besichtigten wir das St. Georgskloster und Masada inmitten der heißen Wüste Israels. Wir lernten, dass sich jüdische Widerstandskämpfer nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch Römer in der Festung Massada das Leben nahmen, da sie fürchteten, nach der Eroberung  durch die Römern versklavt zu werden.

Am Donnerstagabend besuchten wir die Verstanltung "Exodus 1947 - 2017"; eine Gedenkveranstaltung für tausende von Überlebenden, die 1947 mit einem Schiff nach Haifa fliehen konnten. Der Abend war beeindruckend. Der Bürgermeister der Stadt Haifa und einige Zeitzeugen oder deren Verwandte hielten feierliche Reden, Filme wurden gezeigt und die traditionelle Zeremonie der Fahnenübergabe vollzogen. Musikalische Untermalung gab es seitens eines sehr professionellen Chores und einer Sängerin. Sie sangen und spielten unter anderem Lieder, die Passagiere der Exodus 1947 geschrieben hatten und auch jüdische Lieder, die zum Schluss unter Einbezug des Publikums gesungen wurden, was eine fast magische Atmosphäre schuf.
Ich freue mich über Reise, unsere Chance der Bewusstseinserweiterung und auf die nächste Reise nach Israel.

Janik Hinrichs

Eine Reise zum Gedenken an die „Exodus 1947“ nach Israel. Okay, anfangs dachte ich, es wird eine normale Schulreise, doch schon am ersten Tag merkte ich den besonderen multikulturellen Flair, der in Jerusalem herrscht. Der erste Tag war gefüllt mit einer Stadtführung durch die Altstadt von Jerusalem mit Stationen an der Grabeskirche und der Klagemauer. Der Moment, an so einen wichtigen Ort zu treten, hat eine sehr emotionale Wirkung auf einen selbst, in dem man einfach versucht runterzufahren.

Der zweite Tag behandelte das erste sehr ernste Thema auf unsere Reise, den Besuch der Holocaustgedenkstätte Yad Yashem. Mit dem Besuch des Museums und des kompletten Geländes bekamen wir eine gute Einsicht über das Leben der Juden im zweiten Weltkrieg und den Versuchen zu überleben. Der Besuch in Yad Yashem wurde mit einem Treffen eines Zeitzeugens des zweiten Weltkrieges abgeschlossen, der uns auf sehr emotionale Weise seine Geschichte und die seiner Familie erzählte. 

Am dritten Tag stand auf dem Programm eine Fahrt nach Massada und an das Tote Meer, die Endstation an diesem Tag war die Hafenstadt Haifa. Auf Massada lernten wir die Geschichte der Festung kennen sowie das Leben der Juden, die dort vor den Römern nach einem Aufstand flüchteten. Dies alles fand bei „warmen“ 38°C statt. Doch in Erinnerung bleiben wird die folgende Abkühlung im toten Meer. Das Schwimmen im Toten Meer ist für alle ein unglaubliches Erlebnis gewesen und viele konnten es auch später nicht glauben, dass man sich einfach auf 32%igem Salzwasser treiben lassen kann.

Am Abend erreichten wir schließlich Haifa und konnten aus unserem Hotel eine unglaubliche Aussicht über die Stadt genießen. Der 7.9.17 war gefüllt mit dem ursprünglichen Grund unserer Reise, dem Besuch der Gedenkveranstaltung zum 70. jährigen Jahrestag der Exodustragödie. Die Veranstaltung startete mit einem Besuch des Naval Museum in Haifa, wir nutzten den Weg dorthin noch für einen Besuches der hängen Gärten bzw. des Schrein des Babs. Beim Naval Museum bekammen wir eine kleine Führung bezogen auf die Flüchtlingsschiffe. Anschließend ging es zum Auditorium mit dem eigentlichen Gedenkakt. Eine sehr emotionale und ergreifende Veranstaltung, bei der viele Überlebene der Exodus oder deren Nachfahren sprachen und uns im Nachhinein mit interessanten Interviews in ihren Bann zogen.

Am vorletzten Tag unserer Reise besuchten wir auf dem Weg nach Tel Aviv Gustl Moses-Nussbaum im Altenheim. Gustl Moses ist eine Verwandte von Max-Windmüller, dem Namensgeber unserer Partnerschule in Emden. Sie erzählte über ihr Leben, wie sie Max Windmüller erlebte und aus ihrer Kindheit in Emden. Nach der Ankunft in Tel Aviv besuchten wir die Altstadt von Jaffa. Die älteste noch intakte Hafenstadt weltweit. Den Tag beendeten wir schließlich am Strand.  Der letzte Tag unsere Reise startete mit einer Stadtführung durch Tel Aviv zum Thema „Bauhaus“. Damit endete unsere Reise und wir mussten mit einem lachenden und einem weinenden Auge Israel verlassen.

Darja Matzner

Am 7. September 2017 fand in der Stadt Haifa in Israel die Jubiläumsveranstaltung  „70 Jahre Exodus“ statt. Im Jahr 1947 versuchten 4.500 Juden mit dem Schiff „Exodus“ nach Palästina zu gelangen. Nach heftigem Kampf brachten britische Kriegsschiffe das Schiff auf. Die jüdischen Passagiere kamen in deutsche Lager. 2.342 Flüchtlinge haben für fast ein Jahr in der Emder Kaserne an der Auricher Straße gelebt, bevor sie im Jahr 1948 in den neu gegründeten Staat Israel einwandern konnten.

Bei der Veranstaltung waren Holocaust-Überlebende und deren Familienangehörige anwesend. Wenn man über die damalige Situation spricht, ist es schwer zu begreifen, in welcher Not die Überlebenden sich befanden. Und bei der Veranstaltung sieht man diese Menschen vor sich, man spricht darüber und plötzlich kann man ihren Kummer und ihre Trauer nachempfinden. Gleich am Eingang der Stadthalle von Haifa konnte man die Größe der Veranstaltung erahnen. Viele Menschen waren anwesend, die gerne über ihr Leben berichten möchten. Wir wurden von einer älteren Dame angesprochen, die uns ihre Geschichte auf dem Schiff mitteilen wollte. Sie war elf Jahre alt, als sie gemeinsam mit ihrem Bruder auf dem Schiff gelangt. Auf die Frage, wie sie diese Zeit beschreiben könnte, antwortet sie: „Mir wurde meine Kindheit geraubt. Ich musste Erwachsen werden…“ Auf dem Bild, die sie mitgebracht hat, erkennt man ein fröhliches und hübsches Mädchen. Unglaublich, wie sie es geschafft hat auf sich und auf ihr Bruder aufzupassen, um später ein neues Leben zu beginnen.  Bei der Veranstaltung wurden einige Videoaufnahmen und Bilder gezeigt. Die Enge auf dem Schiff, in der die Überlebenden eingeschlossen waren, erschreckte. Man fragt sich, warum mussten diese Menschen so leiden? Es wurde viel über die Ereignisse gesprochen. Der Bürgermeister der Stadt Haifa, Jona Jahaw, fasste die Anteilnahme in seiner Rede zusammen. Es wurde im Anschluss viel gesungen. Die Chorgruppe der Jugendlichen überraschte mit Schönheit und Stärke ihrer Stimmen.  Als Gast fühlte man sich der Gemeinschaft zugehörig. Zum Schluss der Jubiläumsveranstaltung konnte man sich mit anderen Gästen noch unterhalten. Wir haben einen Jungen aus der Schweiz kennengelernt, der als Nachfahre eingeladen war. Er war überrascht, dass wir ohne familiäre Hintergründen auch anwesend waren und wünschte uns alles Gute. Außerdem haben wir eine energievolle Dame namens Lina Friedmann kennengelernt, die auch als kleines Mädchen auf dem Schiff war. Ihre Geschichte fasziniert genauso, wie viele andere! Mit viel Leid und aber auch mit viel Mut hat sie überlebt. Wir haben mit Zeitzeugen gesprochen, waren nachdenklich, haben aber auch viel gelacht. Die Bilder von dem Abend werden als schöne Erinnerungen im Gedächtnis bleiben. Aber die Trauer und der Schmerz über den Holocaust bleibt für immer bestehen. Auch für uns hat die Geschichte der NS-Zeit, der Schoa ab jetzt eine neue Bedeutung. Der Abend in Haifa bleibt unvergesslich.

Auch das Treffen mit Auguste Moses-Nussbaum am 8. September 2017 kann man als ein schönes und unvergessliches Ereignis bezeichnen. Im Alter von 94 Jahren strahlt die lebendige Dame Energie und Lebensfreude aus. In ihrem Buch „Reise mit zwei Koffern“ beschreibt sie ihre Kindheit in Emden, die Verfolgung der Nationalsozialisten und ihre Flucht. Versteckt in einem Erdloch überlebt Gustel in den Niederlanden und ihre Schwester Schulamit den Krieg. Danach begann ihr neues Leben in Israel. Da Gustel die Cousine des ermordeten Malers Felix Nussbaum ist, sorgte sie und ihre Schwester für die Rettung des Großteils seiner Bilder und für deren Transport nach Osnabrück, wo für den bekannten jüdischen Maler ein eigenes Museum gebaut wurde. Auguste freut sich über den Besuch der Emder. „Das bedeutet mir sehr viel!“ – sagt sie lächelnd. In dem Gespräch beantwortet sie ein Paar Fragen über ihr Leben in Deutschland und in Israel. Sie berichtet uns über ihr Alltag in dem Heim, wo wir sie besuchten. Interessant ist, dass Gustel sich jeden Samstag mit einigen Frauen trifft, um Deutsch zu sprechen. Außerdem ist sie offen und bereit für die Gespräche mit Journalisten, die sich für ihre Geschichte interessieren. Ihr Gedächtnis faszinierte die Anwesenden! Sie kann sich an die Details ihres Lebens genau erinnern. Unbekümmert singt sie uns ein holländisches Lied vor, was für eine warmherzige und lockere Stimmung sorgte. Gustel erinnert sich genau an ihre Kindheit in Emden, aber ihr „Herzensstadt“ bleibt Osnabrück. Zum Schluss hat Gustel Bücher signiert und hat sich warmherzig von uns verabschiedet. Man fühlt sich geehrt, so eine wunderbare und starke Frau kennengelernt zu haben!